Krautspace Blog

Mehr Open Source, weniger Schulterzucken in der Stadtverwaltung Jena!

Wir als Hackspace Jena e.V., begrüßen, dass die Stadt Jena die „Systemfrage“ stellen und mit Alternativen zum Monopolisten Microsoft „experimentieren“ will. Allerdings widersprechen wir der im Artikel der OTZ und TLZ vom 1. Juni (Paywall) transportierten Darstellung, Open-Source-Software sei wegen des fehlenden Supports zu teuer oder durch Hersteller-Vorgaben faktisch alternativlos. Dezernent Lange wird mit den Worten zitiert, dass es kein Dogma gebe. Dem stimmen wir ausdrücklich zu. Daher sollten die im Artikel genannten Nachteile als lösbare Fragen und weniger als feststehende Tatsachen behandelt werden.

„Ich finde es gut, dass die Stadt experimentieren will. Dies muss einerseites mit einem ernsthaften Interesse passieren und andererseits müssen die tatsächlichen Kosten offen auf dem Tisch liegen.“, sagt Jens Kubieziel, Vorsitzender. Andere Verwaltungen haben die im Artikel genannten Vorbehalte längst widerlegt. Schleswig-Holstein stellt seine Landesverwaltung auf LibreOffice, Open-Xchange und Linux um. Ende 2025 arbeiten dort fast 80 Prozent der Arbeitsplätze mit dieser Open-Source-Software – und das Land spart bereits jetzt jährlich über 15 Millionen Euro an Lizenzkosten. Dem gegenüber stehen einmalige Kosten von 9 Millionen Euro. Der zuständige Digitalisierungsminister Dirk Schrödter nennt den Weg möglich und wirtschaftlich.¹ Auch Dänemark, das österreichische Bundesheer, das italienische Verteidigungsministerium und viele andere öffentliche Stellen gehen diesen Weg. Diese Beispiele zeigen, dass Open-Source-Software kostensparend eingesetzt werden kann.

Kostendruck von Microsoft

Auf der anderen Seite erzeugt die Nutzung der Microsoft-Produkte einen deutlichen Kostendruck. So wurden die Cloud-Abonnements 2025 um 20 bis 40 Prozent teurer, und mit dem von Microsoft gesetzten Support-Ende von Windows 10 im Oktober 2025 erzwingt der Konzern ohnehin teure Migrationen. Wir werden immer wieder von Unternehmen angesprochen, die aufgrund der regelmäßigen Kostensteigerungen nach Alternativen suchen. „Das im Artikel genannte Risiko, ein Projekt könne „aufgegeben“ werden, trifft proprietäre Software mit ihren festgelegten End-of-Life-Zyklen mindestens ebenso – nur kann man bei offener Software den Anbieter wechseln, ohne die eigenen Daten und Dokumente zu verlieren. Genau das ist digitale Souveränität.„, erläutert Kubieziel.

Datenschutz und Microsoft?

Am schwersten wiegt für uns der mangelhafte Datenschutz: „Die Bürger:innen Jenas erwarten, dass ihre Daten DSGVO-konform verarbeitet werden und kein Drittstaat ungehinderten Zugriff erhält. Diese Garantie kann Microsoft nicht geben“, so Kubieziel. Anton Carniaux, Chefjustiziar von Microsoft Frankreich, räumte im Juni 2025 unter Eid vor dem französischen Senat ein, er könne nicht garantieren, dass Daten europäischer Bürger:innen nicht an US-Behörden gelangen – wegen des US-amerikanischen CLOUD Acts,² der auch in der EU gespeicherte Daten erfasst. Der jüngste Vorfall in den Niederlanden zeigt, dass dies kein theoretisches Problem ist.³ „Die Produkte eines einzelnen Konzerns sind nicht alternativlos. Eine Kommune muss sich nicht in eine Abhängigkeit zwingen lassen, die ihre Handlungsfähigkeit und die Daten ihrer Bürger:innen langfristig bindet.„

Wir bieten der Stadt gerne an, diesen Weg konstruktiv zu begleiten – und laden alle Interessierten ein, digitale Unabhängigkeit selbst auszuprobieren: Wie groß das Interesse der Stadtgesellschaft am Thema ist, zeigt die rege Teilnahme am monatlichen Digital Independence Day. Er hilft beim Umstieg auf nutzerfreundliche, sichere und unabhängige Technologien – etwa bei Messengern, Betriebssystemen oder sozialen Netzwerken. Der nächste Termin ist Sonntag, der 7. Juni, ab 10 Uhr im Hackspace Jena, Krautgasse 26.

2026/06/03 08:49 · mulierjulia · 1 Kommentar

Vortrag zum Thüringer Polizeiaufgabengesetz

Anfang April 2026 unterhielten wir uns im Hackspace über den neuen Entwurf des Thüringer Polizeiaufgabengesetzes. qbi bot an, seine Erkenntnisse zu teilen. Recht schnell wurde dann klar, dass es ein größeres Interesse am Thema gibt und so goß er seine Gedanken in Vortragsfolien.

Am 21. April 2026 nahmen dann über 60 Leute an dem Vortrag teil, stellten Fragen und berichteten von ihren Erkenntnissen. So gelang eine informative Veranstaltung.

Der Vortrag wurde aufgezeichnet. Leider ist die Audioqualität so schlecht, dass diese nicht veröffentlicht werden kann. Daher teilen wir hier die Folien und ein paar andere Informationen.

2026/05/05 19:14 · qbi

Transparenz in Thüringen nicht abservieren!

In Thüringen sollen die zu veröffentlichenden amtlichen Dokumente im Transparenzgesetz zusammengekürzt werden – getarnt als „Bürokratieentlastung“. Der Hackspace Jena begründet in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf, warum das ein Irrweg ist. Stattdessen sollte das bestehende Transparenzportal umgehend technisch ausgebaut werden.

Das Thüringer Transparenzgesetz (ThürTG) aus dem Jahr 2019 machte Thüringen zum bundesweiten Vorreiter in puncto Transparenz. Die jetzt geplanten Änderungen im Rahmen des Ersten Thüringer Entlastungsgesetzes sollen diesen Erfolg wieder zunichte machen.

Die Informationsfreiheit erlaubt es Bürgerinnen und Bürgern, auf Informationen von Staat und Verwaltung zuzugreifen. Thüringen hat bereits vor knapp zwanzig Jahren erfolgreiche Schritte auf diesem Gebiet unternommen: Das Informationsfreiheitsgesetz wurde ausgebaut und zu einem Transparenzgesetz weiterentwickelt. Interessierte sollten nicht mehr nach Abfrage Einblick erhalten, sondern die Verwaltung selbst aktiv Informationen zur Verfügung stellen. Diese Transparenz stärkt das Vertrauen in die Demokratie und hilft der Bevölkerung, die Verwaltung mit guten Vorschlägen zu unterstützen.

Nun soll das Rad zurückgedreht werden: Die Landesregierung plant mit dem vorliegenden Gesetzentwurf deutliche Einschnitte bei der Transparenz.

Thüringer Transparenzportal ausbauen!

Das aktuell gültige Gesetz enthält eine Liste von Informationen, die von öffentlichen Stellen auf Anfrage veröffentlicht werden müssen. Zukünftig soll dieser Katalog deutlich gekürzt werden. Die klare Pflicht zur Veröffentlichung soll entfallen. Doch wo es keine Verpflichtung zur Herausgabe gibt, wird es auch keine Herausgabe geben.

„Ein Transparenzgesetz, das auf freiwilliger Befüllung basiert, ist faktisch kein Transparenzgesetz mehr“, erklärt Jens Kubieziel, Vorsitzender des Hackspace Jena. „Es ist de facto ein Rückfall auf den Stand eines bloßen Informationsfreiheitsgesetzes.“

Das Thüringer Transparenzportal ist der zentrale Ort, wo Informationen eingestellt werden sollen. Die Seite dümpelt vor sich hin und nervt seit Jahren durch lange Ladezeiten und eine schwierige Benutzerführung. Seit 2020 wurden durchschnittlich nur 78 Dokumente pro Jahr eingestellt. Zum Vergleich: In das Transparenzportal von Rheinland-Pfalz wurden im gleichen Zeitraum jedes Jahr 2.750 Dokumente eingestellt. Das sind mehr als in Thüringen insgesamt im Portal vorliegen.

Der Hackspace Jena und der Chaos Computer Club fordern einen deutlichen Ausbau des Thüringer Transparenzportals. Dazu sollte endlich in eine zeitgemäße Technik investiert werden: Mit akzeptablen Ladezeiten und mehr verfügbaren Dokumenten würde der Nutzwert und die Akzeptanz des Portals deutlich erhöht. Neben der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit würde das auch der Verwaltung selbst nutzen.

Ein Zusammenstreichen der Transparenzrechte ist für Thüringen ein vollkommen falsches Signal. Die Landesregierung sollte die Möglichkeiten zu Transparenz und Einsichtnahme für alle politisch Interessierten besser schnell und massiv ausbauen.

Links:

2026/04/21 11:41 · qbi

Digitaler Unabhängigkeitstag am 1.2.2026 zu Mastodon und dem Fediverse

Am Sonntag, dem 1. Februar 2026, lädt der Hackspace Jena ab 14:00 Uhr zum zweiten „Digital Independence Day„ in die Krautgasse 26 ein. Im Mittelpunkt steht diesmal Mastodon – ein soziales Netzwerk, das seine Wurzeln in Jena hat und heute weltweit Millionen Menschen eine werbefreie, dezentrale Alternative zu X-Twitter bietet.

Die Veranstaltung ist Teil einer deutschlandweiten Kampagne, die der Autor Marc-Uwe Kling beim 39. Chaos Communication Congress ausgerufen hat. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, sich von kommerziellen Plattformen zu lösen und digitale Selbstbestimmung zu gewinnen.

Lokale Technologie mit globaler Wirkung

Mastodon wurde 2016 von Eugen Rochko während seines Studiums in Jena ins Leben gerufen. Was als Projekt eines einzelnen Entwicklers begann, ist heute das Herzstück des sogenannten Fediverse – eines Netzwerks aus miteinander verbundenen, unabhängigen Plattformen. Im Gegensatz zu kommerziellen Netzwerken gibt es bei Mastodon keine Algorithmen, die Inhalte filtern, keine Werbung und keine zentrale Kontrolle über Nutzerdaten.

Praktische Einführung für Einsteiger

Von 14 bis circa 16 Uhr zeigen die Mitglieder des Hackspace, wie Mastodon funktioniert, welche Apps es für Smartphone und Computer gibt und wie das Fediverse aufgebaut ist. Wer möchte, kann sich direkt vor Ort einen Account anlegen und die ersten Schritte gemeinsam gehen. Zusätzlich wird Pixelfed vorgestellt – eine datenschutzfreundliche Alternative zu Instagram.

Offen für alle

Die Veranstaltung findet in den Räumen des Hackspace Jena in der Krautgasse 26 statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos. Vorkenntnisse werden keine erwartet – der Workshop richtet sich ausdrücklich an Neugierige und Anfänger.

2026/01/28 07:33 · qbi · 0 Kommentare

Digitaler Unabhängigkeitstag am 4.1.2026 im Hackspace Jena

Auf dem 39. Chaos Communication Congress in Hamburg rief Marc-Uwe Kling den Digitalen Unabhängigkeitstag oder Digital Independence Day aus. Die Idee ist es, Menschen beim Umstieg von komerziellen Plattformen zu unterstützen und so die persönliche Freiheit zu stärken. Der Hackspace in Jena unterstützt dies und macht dabei sehr gern mit.

Ab dem 4.1.2026 finden jeden ersten Sonntag im Monat Veranstaltungen statt. Eingeladen sind alle interessierten Personen. Wir versuchen, euch mit Rat und Tat bei der Umstellung zur Seite zu stehen. Viele der Tage werden unter einem Motto stehen. So möchten wir am ersten Sonntag die Messenger-App Signal vorstellen. Dies ist eine schöne und sichere Alternative zu WhatsApp, Telegram und anderen.

Die weiteren Termine und deren Themen sind dann auf einer Seite zum Digital Independence Day gesammelt.

Wir freuen uns auf viele Besucher:innen und öffnen ab 14 Uhr unsere Räume. Ihr könnt diese in der Krautgasse 26 finden.

Weitere Informationen:

Andere Veranstaltungen in der Nähe:

Das Bild oben stammt von https://codeberg.org/DI-Day/creative-identity.

2026/01/02 09:47 · qbi · 0 Kommentare

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